Warum heißt ein Cocktail eigentlich Cocktail? (Teil 1)

Cocktail

Warum alkoholische Mixgetränke Cocktail genannt werden ist nicht geklärt. Daher ist die Herkunft der Bezeichnung, die zu Deutsch Hahnenschwanz bedeutet, Gegenstand vieler Theorien und Anekdoten. Mit diesem Blog gehen wir gemeinsam auf Spurensuche.

Die frühesten Quellen weisen bei der Entstehung des Wortes auf einen Zusammenhang mit der Pferdezucht und dem Ingwer hin. Da man seinerzeit nicht reinrassigen Pferden den Schweif stutzte, wurden diese als „cock-tailed horses“ bezeichnet. Pferdehändler führten den Tieren vor dem Verkauf rektal Ingwerstücke ein. Dadurch machten sie einen lebhaften Eindruck und ihr Schweif stand hoch
wie ein Hahnenschwanz.

Es dauerte nicht lange, bis eine ähnlich aufmunternde Wirkung auch alkoholischen Mixgetränken zugeschrieben wurde, vor allem solchen, mit Ingwer als Zutat. Der Historiker David Wondrich sagt in diesem Zusammenhang, dass es vom „Mischlingspferd“ zum „Mischlingsdrink“ nicht weit war. Das
Wort Cocktail könne also als Bezeichnung für eine Spirituose stehen, die man nicht pur (reinrassig), sondern gemischt zu sich nahm.

In einer Ausgabe der Londoner Zeitung Morning Post and Gazetteer vom März 1798 finden wir einen der ältesten gedruckten Belege für die Verwendung des Begriffs Cocktail für ein Getränk. Dort ist zu lesen, dass ein Kneipenwirt einen fetten Lotteriegewinn eingestrichen und daraufhin seinen Gästen ihre Zechen erlassen hatte. Laut dem Artikel hatte der damalige Premierminister William Pitt, Junior, unter anderem ein Glas „Cock-Tail“ zu sich genommen. Woraus dieser bestand, bleibt zwar unerwähnt, doch es heißt, dass er auch als Ginger, zu Deutsch Ingwer, bekannt sei.

Die Cocktailhistoriker Brown und Miller weisen auf einen möglichen französischen Ursprung des Wortes Cocktail hin. So muss es tatsächlich ein französisches Getränk namens Coquetel gegeben haben, ein weinhaltiges Mixgetränk aus der Region um Bordeaux. Die Tatsache, dass die Amerikaner während des Unabhängigkeitskrieges in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von einer
französischen Expeditionsarmee unterstützt wurden, könnte die spätere Übernahme des Wortes ins Englische erklären.

Wie auch immer, in Nordamerika erschien das Wort als Bezeichnung für ein Getränk erstmals im Jahr 1803. In einem Zeitungs-Essay heißt es: “11 Uhr. Trank ein Glas Cocktail, hervorragend für den Kopf… Rief den Doktor…, trank noch ein Glas Cocktail.“ Was auch immer die Mixtur war; in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Cocktails aufgrund ihrer aufbauenden Wirkung bereits am Vormittag konsumiert, insbesondere von Spielern, Gaunern und Zuhältern, wenn man Ted Haigh, der auch Dr. Cocktail genannt wird, Glauben schenkt. Der Experte vermutet überdies, dass der Name auf die Tatsache zurückzuführen sei, dass das Mischgetränk morgens getrunken wurde und auf den Konsumenten wie der Weckruf eines Hahnes beim ersten Tageslicht gewirkt habe.

Im Mai 1806 war in einer New Yorker Zeitung von Cock-Tails für 25 Dollar die Rede. In einem Leserbrief zu dem Artikel erkundigte sich ein Leser nach diesem neuen, ihm unbekannten Getränk und wollte wissen, ob der Name wohl auf die Wirkung des Getränkes auf das männliche Geschlechtsteil hindeute. Jahre später definierte zwar Buchautor William Terrington Cocktails tatsächlich als „Mischungen, die bevorzugt von Frühaufstehern genutzt werden, um die Manneskraft zu stärken“, doch medizinisch belegt ist das nicht. Auch dass die neuartigen Cocktails mit der Bitterzutaten aus Kräutern und Gewürzen alle möglichen Leiden kurieren und die allgemeine Befindlichkeit steigern sollten, ist medizinisch ebenso wenig untermauert.

Fortsetzung folgt...

 


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